Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist die größte jüdische Stadtgemeinde Deutschlands und eine europaweit einzigartige Einheitsgemeinde, die unterschiedliche religiöse Strömungen und Lebensrealitäten, von liberal, konservativ bis orthodox vereint. Diese Vielfalt ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines gemeinsamen Verständnisses von Gemeinschaft, das Raum für unterschiedliche Perspektiven schafft und zugleich verbindet.
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist die facettenreichste Deutschlands, die dazu über eine hohe Anziehungskraft und ein enormes Integrationspotential verfügt: Alle jüdischen Menschen finden hier ein Zuhause, ganz gleich welchen Ritus sie praktizieren. Von ultra-orthodox bis egalitär sind alle willkommen.
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, d.h. sie genießt die gleichen steuerlichen und sonstigen Privilegien wie die christlichen Kirchen in Deutschland. Seit 1994 sind die Beziehungen zwischen der Jüdischen Gemeinde und dem Land Berlin in einem Staatsvertrag geregelt.
Während des Nationalsozialismus wurden von den einst 160.000 Berliner Juden 55.000 Opfer der Shoa. Nur sehr wenige Juden sind aus den Ghetto- und Vernichtungslagern zurückgekehrt. Nach 1945 schien es daher zunächst unvorstellbar, dass es jemals wieder jüdisches Leben in Deutschland geben könne. Doch heute leben wieder mehr al 20.000 Juden in Berlin. Die meisten stammen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Etwa die Hälfte sind als Mitglieder in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin organisiert. Die gelungene Integration so vieler Menschen darf sich die Gemeinde als großen Erfolg anrechnen.
Seit 2006 hat die Jüdischen Gemeinde zu Berlin ihren Verwaltungssitz wieder im historischem Gebäudekomplex unter der Goldkuppel der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße 28-31. Dort befindet sich auch das Centrum Judaicum.
Die Jüdische Gemeinde betreibt sechs Synagogen, zwei Mikwot (rituelle Tauchbäder), eine Grundschule mit Hort, Gymnasium und Oberschule, drei Kindergärten, Alten- und Pflegeheim, Volkshochschule, zahlreiche Klubs und Projekte. Dazu kommen noch diverse andere Bildungs- und Betreuungsangebote, betrieben von mit der Jüdischen Gemeinde assoziierten Organisationen.
In den Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde werden täglich jüdische Werte und Traditionen gelebt und vermittelt. Es gibt zahlreiche Konzerte, Lesungen und Vorträge zu jüdischen Themen. Kalender
Regelmäßige Gottesdienste zum Shabbat sowie zu den jüdischen Feiertagen und auch große Feste für die ganze Familie wie beispielsweise zu Purim, Chanukka und Lag baOmer gehören zum Kern der Gemeindearbeit. Feiertage und Gottesdienste
Im wichtigen Bereich der Bildungsarbeit bietet die Jüdische Gemeinde Unterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, um Kenntnisse über das Judentum, die hebräische Sprache und die Geschichte zu fördern. Diese Angebote stärken die Identität und das Gemeinschaftsgefühl der Mitglieder und schaffen gleichzeitig Raum für Austausch und Diskussion. Zion
Darüber hinaus übernehmen wir eine bedeutende soziale Rolle bei der Organisation von Unterstützungsangebote für Bedürftige, kümmern sich um ältere Mitglieder und fördern generationsübergreifende Begegnungen. In vielen Fällen engagieren wir uns auch im interreligiösen Dialog und in gesellschaftlichen Projekten, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und Vorurteilen entgegenzuwirken. Sozialabteilung
Nicht zuletzt ist die Erinnerungskultur ein zentraler Bestandteil der Gemeindearbeit. Durch Gedenkveranstaltungen, Bildungsprojekte und Kooperationen mit Schulen und Institutionen trägt die Jüdische Gemeinde Berlin dazu bei, die Geschichte lebendig zu halten und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Geschichte
Die Jüdische Gemeinde steht dabei in enger Kooperation mit dem Land Berlin und ist integraler Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens Berlins. Tausende Berlinerinnen und Berliner besuchen seit Jahrzehnten die Jüdischen Kulturtage, die seit 1987 fester Bestandteil des Berliner Kulturkalenders sind. Die Jüdischen Kulturtage bereichern die vielfältige Kulturlandschaft Berlins und präsentieren das lebendige jüdische Leben in der Stadt. Die Kulturtage ziehen jährlich tausende Berliner und ihre Gäste in den Bann und sind das Schaufenster, durch das die nichtjüdische Bevölkerung auf das jüdische Leben der Stadt Berlin blickt. Das wieder aufblühende und pulsierende jüdische Leben in Berlin wird als eine außerordentliche Bereicherung der kulturellen Vielfalt dieser Stadt wahrgenommen.
Jüdisches Gemeindehaus
Jüdisches Gemeindehaus
Fasanenstr. 79-80
10623 Berlin
Eines der wichtigsten Nachkriegsereignisse für die Jüdische Gemeinde zu Berlin war 1959 die Einweihung des Jüdischen Gemeindehauses in der Fasanenstraße. Unter dem Vorsitz von Heinz Galinski sel.A. entwickelte sich im Westteil der Stadt ein reges Gemeindeleben, das Haus wurde zum kulturellen Zentrum und als “Wohnzimmer der Gemeinde” zum gesellschaftlichen Treffpunkt, wo Hochzeiten, Feste und Bälle veranstaltet werden.
Heute befinden sich hier unter anderem die 1959 eingerichtete Gemeindebibliothek und die 1962 gegründete Jüdische Volkshochschule.
Im Vorhof des Gemeindehauses trägt eine Gedenkwand die Namen von 22 Ghettos und Vernichtungslagern. Hier werden Gedenkveranstaltungen abgehalten und das Kaddisch, das jüdische Trauergebet, gesprochen.
Heinz-Galinski-Stiftung
Heinz-Galinski-Stiftung
Oranienburger Straße 28
10117 Berlin
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin errichtete am 28. November 1987 anlässlich der Vollendung des 75. Lebensjahres von Herrn Dr. h.c. Heinz Galinski die Heinz-Galinski-Stiftung.
Der Zweck der Stiftung ist die Förderung der Religion, der Toleranz, der Bildung und des Völkerverständigungsgedankens. Sie zeichnet Einzelpersonen oder Organisationen aus, die sich insbesondere verdient gemacht haben um
- Verständigung zwischen der jüdischen Gemeinschaft und ihrer gesellschaftlichen Umgebung
- Ausbau der geistigen und religiösen Werte des Judentums
- Beschäftigung mit dem Abbau von Vorurteilen und Benachteiligungen von Minderheiten
- Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit
- Beratung für zukünftige Bestattungen Genehmigung von Grabmalsanträgen
- Beglaubigungen für Lebensbescheinigungen und Verwahrung von Testamenten
Auszeichnungen:
1989: Siegfried Lenz
1990: Ralph Giordano
1991: Irmgard von zur Mühlen und Lea Rosh
1992: Edgar Hilsenrath und Joachim Wagner
1993: Richard von Weizsäcker
1994: Klaus Schütz und Asher Ben-Natan
1996: Anna Elisabeth Rosmus und Benjamin Ortmeyer
1997: Barbara John
1998: Hans-Jochen Vogel
1999: Dietmar Schönherr
2000: Israel Singer Generalsekretär a.D. des Jüdischen Weltkongresses
2001: Wolf Biermann und Arno Lustiger
2002: Joschka Fischer
2003: Jan Philipp Reemtsma
2004: Ernst Cramer
2005: Hildegard Hamm-Brücher
2006: Annemarie Renger
2007: Volkhard Knigge Historiker
2008: Schimon Stein Botschafter des Staates Israel in Deutschland 2001-2008
2009: Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder e.V.
2010: André Schmitz
2011: Prof. Michael Blumenthal
2012: Angela Merkel
2013: Rudolf Dreßler
2017: Reinhold Robbe
2018: Wolfgang Schäuble
Antisemitismusbeaufragter
Herr Sigmount Königsberg
Antisemitismusbeauftragter
Oranienburgerstr. 31
10117 Berlin
Der Beauftragter gegen Antisemitismus ist Ansprechpartner für Gemeindemitglieder und Berliner Bürger, die sich antisemitischen Attacken und Diskriminierungen ausgesetzt sehen. Von antisemitischen Übergriffen betroffene Personen können sich zur Beratung und Hilfe an ihn wenden.
Zu seinen Hauptaufgaben zählt die Auseinandersetzung mit allen Formen des Antisemitismus, dem sich Juden ausgesetzt sehen. Darüber hinaus analysiert er, welche antisemitischen Strömungen es aktuell gibt. Insbesondere die radikale Verschärfung der Situation nach dem 7. Oktober 2023 machte es notwendig, darauf hinzuweisen, dass es massiven Judenhass bei Linksextremisten, Islamisten und Rechtsextreme gang du gäbe ist. Deshalb seien alle politischen Akteure aufgefordert, bevor sie auf den Antisemitismus in anderen politischen Lagern und sozialen Gruppen zeigen, sich dem Judenhass in den eigenen Reihen zu widmen.
Insbesondere arbeitet er eng mit der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin)sowie der Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung OFEK zusammen.
Er kooperiert mit dem Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, dem
Antisemitismusbeauftragten der Polizei Berlin sowie dem Antisemitismusbeauftragten der Generalstaatsanwaltschaft Berlin.
Zudem pflegt er den Kontakt zu gesellschaftlichen Institutionen, um diese auf Probleme aufmerksam zu machen und Gegenmaßnahmen zu initialisieren. Ebenso versucht er durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit präventiv zu wirken und allgemein ein breiteres Bewusstsein für die bedrückende Antisemitismuslage zu schaffen.
Antisemitismusbeauftragter der JGzB ist seit September 2017 Herr Sigmount Königsberg.