Seit der Zerstörung des Tempels
in Jerusalem versammeln sich Juden in der Beth Knesset (hebr.: Haus der Versammlung) oder Synagoge (griech: sich versammeln), um gemeinsam zu beten. Im Gegensatz zu Kirchen ist eine Synagoge allerdings kein geweihter Raum. Und so trifft man sich dort auch, um Veranstaltungen abzuhalten oder um sich mit anderen Gemeindemitgliedern auszutauschen.
Fast jedes Gebäude kann zu einer Synagoge werden, wenn es gewissen Anforderungen gerecht wird. Nötig für ein gemeinsames Gebet ist ein Minjan – eine Gruppe von mindestens zehn jüdischen Männern über 13 Jahren.
Je nach Ritus und Zugehörigkeit zu einer Strömung des Judentums sitzen die Frauen in der Synagoge getrennt von den Männern: auf einer Empore über, seitlich im eigenen Bereich neben oder durch eine durchsichtige Barriere abgetrennt hinter den Männern. In den egalitären Synagogen sitzen Männer und Frauen zusammen.
Unsere Einheitsgemeinde bietet in sieben Synagogen viele verschiedene Riten an wie aschkenasisch-orthodox, sefardisch-orthodox , liberal-egalitär oder konservativ.
In der Übersicht über unsere Synagogen finden sie weiterführende Informationen und interessante geschichtliche Daten.
Führungen in der Synagoge sind für Gruppen ab ca. 10 Personen nach vorheriger Anmeldung eingeschränkt möglich. Diese werden von den Betern der Synagoge gelegentlich und ehrenamtlich durchgeführt.
Anfragen richten Sie bitte an: kultus@jg-berlin.org
Übersicht
Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Rabbiner Ehrenberg (Synagoge Joachimstaler Straße)
Rabbinerin Ederberg (Synagoge Oranienburger Straße)
Rabbiner Jonah Sievers (Synagoge Pestalozzistraße)
Rabbiner Boris Ronis (Synagoge Rykestraße)
Rabbiner Prof. Dr. Nachama (Synagoge Herbartstraße/Sukkat Shalom)
Rabbiner Jaakov Zinvirt
Rabbinerin Alla Mitelman
Rabbiner Jonah Sievers
Jonah Sievers wurde 1971 in Hannover geboren. Er studierte zuerst Wirtschaftswissenschaften in Hannover und Oldenburg. Von 1996 - 1997 studierte er an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, bevor er sein Studium 1997 am Leo Baeck College in London aufnahm. Dort wurde er 2002 ordiniert und war seitdem Gemeinderabbiner in Braunschweig. Darüber hinaus betreute er auch andere Gemeinden in Niedersachsen. 2008 wurde er zum Landesrabbiner ernannt.
Rabbiner Sievers ist Gründungsmitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und war lange im Vorstand tätig.
Seit März 2015 amtiert Rabbiner Jonah Sievers als Nachfolger von Rabbiner Ben-Chorin in der Synagoge Pestalozzistraße. Darüber hinaus unterrichtet er am Abraham-Geiger-Kolleg der Jüdischen Gemeinde. Seine Hauptinteressengebiete sind Halacha, Geschichte und Liturgie, insbesondere die Synagogalmusik von Louis Lewandowski. Zusammen mit Rabbiner Dr. Andreas Nachama gab er einen liberalen Siddur und Machsor heraus.
Rabbinerin Gesa S. Ederberg
- geb. 1968, verheiratet, 3 Kinder
- Studium der Physik, Evangelischen Theologie und Judaistik in Tübingen, Bochum, Berlin und New York
- 1998 – 2002 Rabbinatsstudium am Schechter Institute for Jewish Studies in Jerusalem, abgeschlossen mit Smicha (Ordination)
- 2002 – 2006 Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde Weiden i. d. Oberpfalz. Seit Februar 2007 Rabbinerin der Synagoge Oranienburger Straße www.or-synagoge.de
- 2002 - 2009 Geschäftsführerin von Masorti e.V., Verein zur Förderung der jüdischen Bildung und des jüdischen Lebens, Sitz in Berlin, mit Kindergarten und Lehrhaus www.masorti.de
- Gründungsmitglied und Executive Vice President/Treasurer of the European Region of the Rabbinical Assembly
- Gründungsmitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz des Zentralrats der Juden in Deutschland
- Autorin und Redakteurin verschiedener Publikationen, z.B. „Sympathie Magazin Judentum Verstehen“, und Pluspunkt Deutsch für jüdische Zuwanderer, in Kooperation mit dem Cornelsen Verlag und dem Zentralrat der Juden in Deutschland.
- Koordinatorin für den Religionsunterricht außerhalb der Jüdischen Schulen
- Seit März 2026 ist Rabbinerin Ederberg Präsidentin der »International Rabbinical Assembly of Conservative Judaism« und damit die Vorsitzende von mehr als 1600 Masorti-Rabbinern und -Rabbinerinnen weltweit.
Rabbiner Yitshak Ehrenberg
1950 geb. in Jerusalem , 7. Generation in Israel verheiratet, 5 Kinder, 5 Enkelkinder
1975 Hochschule für Tora: Smicha zum Rabbiner, 8 Jahre Lehrtätigkeit in einer Yeschiwa in Jerusalem
1983 – 1989 Rabbiner der Mizrachi Gemeinde in Wien, Österreich
1989 – 1997 Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde in München
1997 – heute Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Mitglied beim ständigen Ausschuss der Europäischen Rabbinerkonferenz
Aufgaben als Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin:
- Tägliche Leitung der Gebete in der Synagoge Joachimstaler Straße 13.
- Durchführung der Zeremonien bei Beschneidung, Bar- /Bat-Mizwa, Chuppa (Hochzeit) und Beerdigungen.
- Aufsicht der Kaschrut in einigen Restaurants, Molkerei und Bäckerei
- Judentumsklärungen, Judentumsbestätigungen, Vorträge und Unterricht zum Judentum in der Synagoge für Kinder und Erwachsene.
- Vorsitz des gemeinnützigen Vereins „Schoraschim e. V.“.
- Organisation von Feriencamps für Kinder. Leitung der „Talmud Tora–Schule“, Aufsicht über die Mikwe
Rabbiner Boris Ronis
Der 1975 in Czernowitz (Ukraine) geborene Rabbiner Boris Ronis lebt seit 1980 in Berlin. An der Universität Potsdam studierte er Jüdische Studien, Religionswissenschaften und Russistik (Slawistik). Parallel machte er eine Ausbildung zum Rabbiner am Abraham Geiger Kolleg. Einen Teil seiner Ausbildung verbrachte er in Jerusalem am Pardes Institut, am Steinsaltz Institut und am Hebrew Union College. 2010 schloss er seine Studiengänge erfolgreich ab. Ronis ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat am 30. November 2016 Rabbiner Boris Ronis einstimmig zum Gemeinderabbiner für die Synagoge Rykestraße berufen. Die Stelle wurde damit erstmals seit fast 30 Jahren wieder besetzt. Rabbiner Ronis hatte bereits in den Jahren zuvor als Gastrabbiner in der Synagoge Rykestraße amtiert.
Seit April 2025 ist Rabbiner Ronis auch als Militärrabbiner tätig und betreut Soldatinnen und Soldaten an allen Bundeswehrstandorten in Brandenburg und Berlin.
Kantoren
Die meisten Synagogenmusiker beziehen sich heute noch auf die Blütezeit der Synagogalmusik in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa, und hier vor allem in Deutschland. Ein Name ist geradezu ein Synonym für diese Anfänge: der Berliner Kantor und Komponist Louis Lewandowski.
Wie auf viele andere seiner Berufskollegen hatte die damals populäre spätromantische europäische Musik Einfluß auf seine reformatorische Überarbeitung von Gesang und Musik in der Synagoge. Seine wichtigste Neuerung war die Einführung der Orgel, die sich jedoch nur für den liberal bis egalitär ausgerichteten Gottesdienst durchsetzte.
In unseren Synagogen amtieren folgende Kantoren und Kantorin:
- Kantor M. Waitsman – Synagoge Joachimstaler Str.
- Kantor Isodoro Abramowicz – Synagoge Pestalozzistr.
- Kantor Jochen Fahlenkamp – Synagoge Rykestr. und Fraenkelufer
- Kantor Simon Zkorenblut – Synagoge Pestalozzistr., Fraenkelufer, Rykestr.
- Esther Hirsch – Sukkat Schalom (Herbartstaße)
Jochen Fahlenkamp
Kantor Jochen Fahlenkamp, geb. 1963, stammt aus einer musikalischen Familie. Er ist seit dem Jahre 2001 hauptamtlich als Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschäftigt, nachdem er diese Tätigkeit zunächst mehrere Jahre nebenberuflich in Berlin und anderen Jüdischen Gemeinden Deutschland, insbesondere in der Jüdischen Gemeinde Dresden, ausgeübt hatte.
Kantor Fahlenkamp wurde von dem ungarischen Kantor Laszlo Pasztor, der in der Tradition seines Lehrers Szigmond Tordai stand und viele Jahre als Kantor der Berliner Jüdischen Gemeinde tätig war, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre ausgebildet. Er amtiert in Berlin sowohl in Synagogen mit Orgeltradition als auch in orgelfreien Synagogen. Er betreibt mehrere Internet-Homepages zu jüdischen Themen, unter anderem die Seiten www.cantorfahlenkamp.com mit persönlichen Hinweisen zu Gottesdiensten und Konzertauftritten, www.cantorial-arts.com, mit Literaturhinweisen zu bedeutender jüdisch-liturgischer Musikliteratur, www.jüdisches-Lehrhaus.de, mit Texten zur Bibelauslegung und Halacha. Außerdem ist Kantor Fahlenkamp Herausgeber der seit 2008 in Berlin erscheinenden „Tefillotyaacov – Halbjahreshefte für jüdisch-liturgischen Gesang“, in denen er einerseits das historische deutsch-jüdische liturgische Material, andererseits die aktuellen synagogalen Bräuche behandelt und zahlreiche Notenbeispiele zu den Synagogalmelodien („nussachot“)liefert.
Isodoro Abramowicz
Isidoro Abramowicz wurde in Buenos Aires geboren und ist in einer aschkenasischen Familie aufgewachsen, mit Jiddisch – »der Sprache für Ironie, Geschäfte, Tragödien und Geheimnisse«, wie er sagt und dies als Teil seiner jüdischen Identität bezeichnet.
Kantor Abramowicz hat Musik und Pädagogik in Argentinien studiert und Oper und Chorleitung in Deutschland. Gleichzeitig arbeitete er für die Jüdische Gemeinde in Oldenburg als Chorleiter und Vorbeter. 2009 begann er mit einem Stipendium des Zentralrats der Juden und des Abraham Geiger Kollegs eine Kantorenausbildung in Berlin und ein Masterstudium »Jüdische Studien« an der Universität Potsdam.
In dieser Zeit gestaltete Isidoro Abramowicz bereits Konzertprogramme mit liturgischer und jiddischer Musik und sang in Gemeinden, Museen und Theatern, sowie mit verschiedenen Ensembles auch Tango, aus Liebe zu seinen Wurzeln. Für seine Masterarbeit »Das Frankfurter Kaddisch: Ein liturgisches Kalendarium« ging er zu Recherchen nach Israel. Nach seinem Abschluss arbeitete Abramowicz in verschiedenen Gemeinden, bevor er Kantor der Großen Synagoge in Stockholm wurde, und dort bis Februar 2019 tätig war. Im November 2017 übernahm Abramowicz auch die Leitung der Kantorenausbildung am Geiger Kolleg. Seit März 2019 ist Isidoro Abramowicz Kantor der Synagoge Pestalozzistraße.
Simon Zkorenblut
Kantor Simon Zkorenblut ist in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Er ist seit 1996 Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Seinen Dienst als Kantor übt er überwiegend in den Synagogen Fraenkelufer und Pestalozzistrasse aus.
Mikwe
Mikwe (hebr. zusammenfließen) bezeichnet sowohl das Gebäude für das rituelle Tauchbad in einer jüdischen Gemeinde als auch dieses Tauchbad selbst.
Der Bau der Mikwe und Menge und Herkunft des Wassers sind genau geregelt. So muss die Mikwe mindestens 750 l Wasser natürlicher Herkunft, also Regen-, Schnee-, Eis-, Fluss-, See- oder Meerwasser, enthalten, weshalb sie oft auf dem Niveau des Grundwassers angelegt wird.
Der Zweck der Mikwe ist nicht das Erlangen hygienischer, sondern allein das ritueller Reinheit. Als rituell unrein gilt nach jüdischer Tradition zum Beispiel Blut oder das Berühren von Toten. Die körperliche Reinheit hängt untrennbar mit der geistigen Reinheit zusammen.
Daher tauchen Personen, die mit Tod oder Toten zu tun hatten oder Frauen nach der Monatsblutung, da durch die Nichtbefruchtung der Tod der Eizelle folgt, in die Mikwe.
Um eine erfolgreiche rituelle Reinigung durchführen zu können, darf nichts Fremdes am Körper vorhanden sein. Den vollständigen Kontakt des reinen Wassers mit dem Körper darf nichts verhindern, so ist z. B. Schmuck, Lippenstift, Nagellack und jegliche Art von Bekleidung vor dem Baden abzulegen. Es muss auch darauf geachtet werden, dass der gesamte Körper mitsamt den Haaren untergetaucht wird. Den Vorgang des vollständigen Untertauchens bezeichnet man mit Twila.
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat eine Mikwe in der Synagoge Joachimstaler Straße und eine in der Oranienburger Straße.
Der Besuch beider Mikwaot ist nur nach telefonischer Vereinbarung möglich.
Evgenia Zint
030 88028-169
Mona Kraft
030 88028-265