Chronik jüdischen Lebens in Berlin
Der erste Beweis jüdischen Lebens im Gebiet des heutigen Berlins ist ein Grabstein in Spandau aus dem Jahr 1244, Juden wurden 1295 das erste Mal in einem Privileg der Berliner Tuchmacherzunft urkundlich erwähnt. Es ist davon auszugehen, dass Juden von Anfang an die Entwicklung der Stadt mitgeprägt haben. Immer wieder wurde die jüdische Gemeinschaft seitdem einem Wechsel aus Ansiedlung, Vertreibung und Ermordung ausgesetzt.
Etwa einhundert Jahre nach Gründung Berlins kam 1349 die Pest, verbunden mit den ersten Judenverfolgungen. 1446 wurden Juden aus Brandenburg vertrieben. Vorwürfe der Hostienschändung und des Ritualmordes führten 1510 zu Folter, Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen, Enthauptungen und schließlich zu Vertreibungen. Mordvorwürfe gegenüber dem verstorbenen Landesherrn führten 1573 erneut zu Pogromen, Vertreibungen und Toten.
Nachdem 1670 alle Juden aus Wien vertrieben wurden, durften sich 50 wohlhabende Wiener Familien 1671 in Berlin ansiedeln. Diese Familien legten die Grundlage dafür, dass sich Berlin bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts mit etwa 170.000 Juden zu einem Zentrum jüdischen Lebens in Europa entwickeln konnte. Ungewöhnlich viele von ihnen prägten das kulturelle, wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben Berlins.
Religiös zeigte sich die große Vielfalt der Jüdischen Gemeinschaft in Berlin durch die Entstehung eines modernen, reformorientierten Judentums, das in Berlin u.a. durch Persönlichkeiten wie Louis Lewandowski geprägt wurde, neben den konservativen und den traditionellen orthodoxen jüdischen Gemeinschaften in Berlin. Ein sichtbares Zeichen dieses selbstbewussten Gemeindelebens war die Neue Synagoge, die 1866 eingeweiht wurde und zu den bedeutendsten Synagogen Europas zählte.
Institutionen wie die Humboldt-Universität zu Berlin zogen zahlreiche jüdische Studierende und Gelehrte an, darunter Denker wie Moritz Lazarus und Eduard Gans. Parallel dazu prägten jüdische Familien das kulturelle Leben der Stadt maßgeblich. Die berühmten Salons, etwa von Rahel Varnhagen, wurden zu wichtigen Treffpunkten für Intellektuelle, Künstler und Politiker. Auch die Mendelssohn Familie, insbesondere Felix Mendelssohn Bartholdy, hatte großen Einfluss auf das kulturelle Leben.
Gleichzeitig war das jüdische Leben sozial vielfältig: Neben wohlhabenden Familien lebten viele Menschen unter einfachen Bedingungen, insbesondere in Stadtteilen wie dem ehemaligen Scheunenviertel im heutigen Berlin-Mitte.
Durch das Menschheitsverbrechen der Schoa wurde diese Entwicklung ab 1933 abrupt unterbrochen. Schon im April 1933 wurden jüdische Geschäfte boykottiert und Juden durch den „Arierparagraphen“ vom Beamtenberuf und vielen weiteren Berufen ausgeschlossen. Als sogenannte „Aktion wider den undeutschen Geist“ folgte im Mai die Bücherverbrennung. Durch die Nürnberger Gesetze von 1935 wurde die staatsbürgerliche Gleichstellung der jüdischen Bürger aufgehoben; das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre” verbot die „Mischehe” sowie außereheliche Beziehungen zwischen „Ariern” und Juden.
Am 9. November 1938 schließlich wurden Synagogen zerstört, Geschäfte und Wohnhäuser ausgeraubt und deutschlandweit über 26 000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Die jüdisch kennzeichnenden Zwangsvornamen „Sara“ und „Israel“ wurden verordnet sowie die Kennzeichnung der Reisepässe mit einem „J“ eingeführt. Es folgte die weitere Ausgrenzung durch das Verbot, Theater, Lichtspielhäuser, Konzerte, Ausstellungen, öffentliche Schulen, öffentliche Plätze und Parkanlagen zu besuchen. Ab September 1939 mussten alle Juden ihre Rundfunkgeräte bei der Polizei abliefern.
Durch das Menschheitsverbrechen der Schoa wurde diese Entwicklung ab 1933 abrupt unterbrochen. Schon im April 1933 wurden jüdische Geschäfte boykottiert und Juden durch den „Arierparagraphen“ vom Beamtenberuf und vielen weiteren Berufen ausgeschlossen. Als sogenannte „Aktion wider den undeutschen Geist“ folgte im Mai die Bücherverbrennung.
Durch die Nürnberger Gesetze von 1935 wurde die staatsbürgerliche Gleichstellung der jüdischen Bürger aufgehoben; das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre” verbot die „Mischehe” sowie außereheliche Beziehungen zwischen „Ariern” und Juden.
Am 9. November 1938 schließlich wurden Synagogen zerstört, Geschäfte und Wohnhäuser ausgeraubt und deutschlandweit über 26 000 Juden in Konzentrationslager verschleppt.
Die jüdisch kennzeichnenden Zwangsvornamen „Sara“ und „Israel“ wurden verordnet sowie die Kennzeichnung der Reisepässe mit einem „J“ eingeführt. Es folgte die weitere Ausgrenzung durch das Verbot, Theater, Lichtspielhäuser, Konzerte, Ausstellungen, öffentliche Schulen, öffentliche Plätze und Parkanlagen zu besuchen. Ab September 1939 mussten alle Juden ihre Rundfunkgeräte bei der Polizei abliefern.
Von Januar bis September 1941 wurden zahlreiche weitere antijüdische Verordnungen erlassen, so mussten Juden alle Woll- und Pelzsachen abliefern, durften keine Zeitungen und Zeitschriften mehr beziehen. Ihnen wurde die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel untersagt und das Halten von Haustieren und der Besuch von Friseurgeschäften verboten. Sie mussten alle elektrischen und optischen Geräte sowie Schreibmaschinen und Fahrräder abliefern. Alle jüdischen Schulen wurden geschlossen. Juden erhielten schließlich kein Fleisch, keine Eier und keine Milch mehr.
1941, ein Jahr vor der „Wannsee-Konferenz“, auf der die Endlösung der „Judenfrage“ beschlossen wurde, wurde auch der „Judenstern“ eingeführt und die systematischen Deportationen der deutschen Juden begonnen. Unter den europaweit sechs Millionen in Vernichtungslagern, in Konzentrationslagern, in Ghettos, auf Feldern und in Wäldern auf bestialische Art gequälten, ausgehungerten und anschließend Ermordeten waren mehr als 55.000 jüdische Berliner.
Die wenigen Überlebenden bauten nach dem Ende des Zivilisationsbruches wieder Synagogen auf, 1986 wurde die erste Schule gegründet, Seniorenzentren errichtet und ein Friedhof angelegt.
Im Zuge des Zusammenbruchs der damaligen Sowjetunion in den Jahren nach 1989 zogen tausende Juden aus der UdSSR und Ihren Nachfolgerstaaten nach Berlin. Dadurch wuchs die Jüdische Gemeinschaft in Berlin auf über 10.000 Mitglieder an. Durch ihre schnelle Integration in die Gesellschaft trägt jeder Einzelne von ihnen dazu bei, an die Erfolgsgeschichte Berlins vor dem 2. Weltkrieg anzuknüpfen.
In dem Bewusstsein, die Geschichte Berlins von Anfang an entscheidend mitgeprägt zu haben, bekennt sich die Jüdische Gemeinde zu Berlin zu ihrer Verantwortung als dauerhaft bleibender und aktiver Teil der Stadtgesellschaft, die die Zivilgesellschaft vor allem bei der Stärkung von Demokratie und beim Kampf gegen Antisemitismus aller Art vollumfänglich unterstützt.
Aus dieser historischen Verantwortung erstreckt sich vor allem die Verpflichtung, das Judentum in all seinen Facetten am Leben zu erhalten und an kommende Generationen weiterzugeben.