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26.11.2024

»Es Ist unsere Pflicht, unsere Kinder zu stärken«

26.11.2024

Antonia Yamin ist die neue Leiterin von Taglit Germany

Frau Yamin, bevor wir zu Ihrer Arbeit kommen, würden Sie sich bitte kurz vorstellen?
Antonia Yamin, 36, TV-Journalistin und Dozentin, erklärt den Deutschen Israel und den Israelis Deutschland und leitet seit sieben Monaten auch Taglit Deutschland.
 

Sie haben im April die Leitung von Taglit Germany übernommen. Was bedeutet Taglit? Was ist Ihnen an dieser Arbeit wichtig?
Taglit-Birthright ist heute die größte Bildungstourismusorganisation der Welt, die über 850.000 jüdischen jungen Erwachsenen aus der ganzen Welt durch eine meist zehntägige Reise (aber nicht nur) die Möglichkeit gibt, den magischen Staat Israel kennenzulernen. Es ist eine Gelegenheit, jungen Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt eine tiefere Verbindung zu ihrem Erbe, ihrer Geschichte und ihrer Identität zu ermöglichen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen mit einem offenen Herzen und entdecken in diesen wenigen Tagen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Stolz, das sie oft noch nie zuvor so empfunden haben.
Ich bin seit 16 Jahren Journalistin, davon berichte ich seit acht Jahren von und über Europa und Deutschland. In diesen Jahren habe ich über Terroranschläge und große antisemitische Vorfälle berichtet, wurde von Palästinensern in Neukölln angegriffen, bin auf Rockfestivals gewesen, auf denen Neonazis ihre Ideologie offen auslebten und habe Politiker interviewt, darunter Kanzlerin Merkel und Kanzler Scholz. Irgendwann habe ich jedoch verstanden, dass es nicht ausreicht, immer wieder dieselben Politiker zu fragen, was sie gegen Antisemitismus unternehmen wollen. Es ist auch unsere Pflicht, unsere Kinder zu stärken. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich vor vier Jahren Mutter geworden bin, aber ich möchte, dass meine Tochter in Deutschland als starke Jüdin aufwächst und keine Angst hat, zu sagen, dass sie Jüdin ist.

Also bedeutet Taglit nicht, dass junge Menschen nach Tel-Aviv fliegen und dort Party machen, sondern?
Sie feiern auch (weil das etwas ist, was junge Menschen tun  sollten), aber das ist nicht die Hauptidee hinter Taglit. Alle kennen die klassische 10-tägige Taglit-Reise, aber Taglit ist so viel mehr. Wir bieten zum Beispiel auch ein exklusives 10-wöchiges Excel-Programm für herausragende jüdische Studierende aus der ganzen Welt, die zur Elite der zukünftigen jüdischen Geschäftswelt gehören. In diesem Programm werden sie von einigen der klügsten Köpfe Israels betreut, knüpfen Kontakte zu anderen brillanten jüdischen jungen Menschen und legen damit den Grundstein für zukünftige geschäftliche Partnerschaften und Netzwerke, die ein Leben lang halten.
Zusätzlich haben wir gemeinsam mit der Reichman-Universität, direkt nach dem 7. Oktober ein vierwöchiges Programm für jüdische Studierende ins Leben gerufen, die sich für Aktivismus interessieren und hier lernen, wie man effektiv gegen Antisemitismus auf dem Campus oder online vorgeht, und wie man mit antisemitischen Angriffen und komplexen, oft schwierigen Fragen über Israel in sozialen Medien wie TikTok, Instagram und Twitter umgeht. Dabei geht es nicht nur darum, die richtigen Antworten zu finden, sondern auch darum, wie Algorithmen funktionieren, welche Strategien effektiv sind, mit wem man sich verbünden sollte und wann bestimmte Aktionen ein Risiko darstellen könnten.
Unser Freiwilligenprogramm (das bis zum Alter von 40 Jahren offen ist) bietet Menschen die einzigartige Möglichkeit, nach Israel zu kommen und aktiv den Betroffenen der Ereignisse vom 7. Oktober zu helfen. Die Freiwilligen reisen kostenfrei nach Israel, übernachten in Tel Aviv und leisten tagsüber wertvolle Unterstützung im Süden – sei es beim Wiederaufbau von Häusern in Kibbuzim, in den Küchen der IDF oder bei der Ernte. Diese Erfahrung gibt ihnen das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, und das vielleicht Wichtigste: Sie treffen die Menschen in den Kibuzim und hören direkt von ihnen, was an jenem unvergesslichen Tag und was seitdem in ihrem Leben passiert ist.
 

Haben 2024 Taglit-Reisen stattgefunden und wie haben die sich von denen der Vorjahre unterschieden?
Ja, die erste Gruppe in diesem Jahr war sogar eine deutsche Gruppe! Natürlich wurde der Fokus der Taglit-Programme nach dem 7. Oktober erweitert: Neben den klassischen Programmpunkten wie dem Kennenlernen der israelischen Kultur, Geschichte und Gesellschaft wurde verstärkt auf aktuelle Themen wie Antisemitismus und die Herausforderungen im israelisch-palästinensischen Konflikt eingegangen. Dies bot den Teilnehmern die Möglichkeit, sich intensiver mit den Realitäten vor Ort auseinanderzusetzen und zu verstehen, wie diese Themen das tägliche Leben in Israel beeinflussen.
Ein weiteres neues Element war das Angebot spezieller Workshops zu Social Media und Aktivismus mit dem Ziel, die Teilnehmer zu befähigen, sich auch nach der Reise in ihren Heimatländern gegen Antisemitismus einzusetzen und das Gelernte weiterzugeben.  Trotz der Veränderungen blieb das Herzstück der Taglit-Erfahrung bestehen: eine starke Verbindung zu Israel, ein tiefes Verständnis für das jüdische Erbe zu fördern und die Möglichkeit, Israel intensiv zu erleben und eine Gemeinschaft mit jüdischen jungen Erwachsenen aus der ganzen Welt zu bilden.
 

Welche Maßnahmen ergreift Taglit, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Können Sie eventuelle Befürchtungen der Eltern entkräften?
Die Sicherheit der Teilnehmer hat bei Taglit oberste Priorität, und es werden umfangreiche Maßnahmen getroffen, um ein sicheres Umfeld zu gewährleisten. Jede Reise wird in enger Abstimmung mit den israelischen Sicherheitsbehörden geplant und überwacht. Routen und Programme werdenim Kontakt mit den lokalen Behörden ständig überprüft und an die aktuelle Sicherheitslage angepasst, um Risiken zu minimieren. Zudem sind die Reiseleiter speziell darin geschult, auf unvorhergesehene Situationen vorbereitet zu sein, die Gruppen werden von erfahrenem Sicherheitspersonal begleitet, sind nur in sicheren Gegenden unterwegs und werden über Verhaltensregeln und Sicherheitsprotokolle informiert, um das Sicherheitsniveau weiter zu erhöhen.
 

Gibt es noch eine Botschaft, die Sie uns noch mitgeben wollen?
Am Israel Chai! Für immer!

 

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