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30.10.2019

»Deutschland trägt Davidstern«

30.10.2019

Berliner Juden wollen ein Zeichen

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Gideon Joffe, hat nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale im Oktober die Gesellschaft zu einem dauerhaften Zeichen der Solidarität mit den Juden aufgefordert. »Deutschland trägt Davidstern« – eine solche Aktion, bei der möglichst viele Bürger das Symbol des Judentums tagtäglich offen an einer Kette tragen, wäre ein deutliches Signal gegen den Antisemitismus, sagte Dr. Joffe der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Tag nach der Terror-Attacke.

Der Davidstern sei aus der Öffentlichkeit verschwunden, weil viele Juden Angst vor Angriffen hätten. »Es wäre ein wunderbares Zeichen der Ermutigung für uns Juden – und der Entmutigung der Antisemiten – , wenn sich möglichst viele Nichtjuden dadurch schützend vor die jüdische Minderheit stellen würden. Landes- und Bundespolitiker sollten sich auch dauerhaft daran beteiligen. Ein massives Bekenntnis zum Leben der Juden in Deutschland ist der beste Schutz gegen Antisemitismus«, sagte der Gemeindevorsitzende.

Nicht erst nach dem Anschlag in Halle/Saale sei die Stimmung in der jüdischen Gemeinde gedrückt. Die Besucherzahl der Gottesdienste habe deutlich nachgelassen. Dies sei an diesem Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, am Mittwoch zu beobachten gewesen. »Unsere Gemeindemitglieder haben Angst«, sagte Dr. Joffe. Der Angriff auf die Hallenser Synagoge sei der »vorläufige Höhepunkt der Chronik einer angekündigten Tragödie.«

In den vergangenen Monaten habe es immer wieder antisemitische Attacken in Berlin gegeben – von den Rufen »Jude, Jude, feiges Schwein« bei einer Demonstration am Brandenburger Tor« bis zum jüngsten Angriff eines Mannes mit einem Messer vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße.

Vom muslimischen Antisemitismus bis zur linken »Israelkritik« und den Rechten – die Judenfeindschaft habe mittlerweile breite Teile der Gesellschaft ergriffen. Die jüdische Gemeinde schaue der Entwicklung nicht tatenlos zu. Es gebe zwar bei einigen Resignation, bei anderen »aber auch eine deutliche Kampfbereitschaft«, sagte Dr. Joffe.

Am 9. Oktober hatte ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist versucht, in die Hallenser Synagoge einzudringen und unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Sein Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt hat.

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