19.06.2026 / 4. Tammuz 5786
30.11.2022

Gedenken an die Novemberpogrome 1938

30.11.2022

Die Gedenkveranstaltung zum 84. Jahrestag der Novemberpogrome fand am 9. November im Jüdischen Gemeindehaus in Anwesenheit von Schoa-Überlebenden, Gemeindemitgliedern, Schülergruppen und hochrangigen Gästen aus der Gesellschaft, der Politik sowie des diplomatischen Korps statt, darunter neben Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey, der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Dennis Buchner, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Petra Pau, der neue israelische Botschafter Ron Prosor, Berlins Umweltsenatorin Bettina Jarasch und die Vizepräsidentin des Brandenburgischen Landtages Barbara Richstein.

Der Gemeindevorsitzende Dr. Gideon Joffe wies in seiner Rede darauf hin, dass einerseits die »Gesellschaft viel gelernt« habe aus den damaligen Ereignissen und es viele Initiativen gegen Antisemitismus gebe, andererseits der Antisemitismus trotzdem zunehme. Dieses »Gedenkparadox« erkläre er sich damit, dass allein Israel dämonisiert werde und mit ihm alle Juden. Denn Millionen von Menschen seien der Ansicht, dass »Israel sich benimmt wie die Nazis vor 80 Jahren«. Ein wesentlicher Grund dafür sei, »dass Israel in der UNO permanent verurteilt wird«, und zwar nur Israel. So sei es kein Wunder, dass Menschen solche Gedanken entwickeln würden. Ein Erfolg beim Kampf gegen Antisemitismus, so Dr. Joffe, könne – neben den begrüßenswerten vorhandenen Initiativen – nur erreicht werden, »wenn auf Bundesebene dafür gesorgt wird, dass Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, in der auch Menschenrechtsverletzungen intensiv diskutiert und kritisiert werden, nicht mehr 80 oder 90 Prozent aller Verurteilungen in der UNO abbekommt«.  Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, erinnerte in ihrer Rede daran, dass die Verbrechen  von damals öffentlich geschahen und viele wegsahen oder sich gar beteiligten. »Die Gewalt, aber auch die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Leid beschämen uns noch heute«. Einige wenige hätten gehandelt und geholfen, wie zwei Ehepaare, die unlängst posthum dafür geehrt worden sind (siehe Beitrag S. 12).
Heute sei jeder Einzelne gefordert, sich für eine demokratische, offene Gesellschaft einzusetzen. Allein ein »moralisches Erinnern reicht dafür nicht aus«, so Giffey. Das Wissen um die Geschichte und die Berichte der Zeitzeugen, die »ein kostbares Geschenk« seien, müssten täglich mit neuen Fragen und Inhalten gefüllt werden – gegen Geschichtsklitterung, für unsere gemeinsamen Werte und den Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen guten Willens.
Nach der Kranzniederlegung, dem El male rachamin und Kaddisch vor dem Gemeindehaus beteiligten sich Franziska Giffey  und weitere Gäste an der Lesung der Namen der ermordeten Berliner Juden.

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