Die meisten Synagogenmusiker beziehen sich heute noch auf die Blütezeit der Synagogalmusik in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa, und hier vor allem in Deutschland. Ein Name ist geradezu ein Synonym für diese Anfänge: der Berliner Kantor und Komponist Louis Lewandowski. Wie auf viele andere seiner Berufskollegen hatte die damals populäre spätromantische europäische Musik Einfluß auf seine reformatorische Überarbeitung von Gesang und Musik in der Synagoge. Seine wichtigste Neuerung war die Einführung der Orgel, die sich jedoch nur für den liberal bis egalitär ausgerichteten Gottesdienst durchsetzte.
In unseren Synagogen amtieren folgende Kantoren und Kantorin:
- Kantor M. Waitsman – Synagoge Joachimstaler Str.
- Kantor Isodoro Abramowicz – Synagoge Pestalozzistr.
- Kantor Jochen Fahlenkamp – Synagoge Rykestr. und Fraenkelufer
- Kantor Simon Zkorenblut – Synagoge Pestalozzistr., Fraenkelufer, Rykestr.
- Esther Hirsch – Sukkat Schalom (Herbartstaße)
Jochen Fahlenkamp
Kantor Jochen Fahlenkamp, geb. 1963, stammt aus einer musikalischen Familie. Er ist seit dem Jahre 2001 hauptamtlich als Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschäftigt, nachdem er diese Tätigkeit zunächst mehrere Jahre nebenberuflich in Berlin und anderen Jüdischen Gemeinden Deutschland, insbesondere in der Jüdischen Gemeinde Dresden, ausgeübt hatte.
Kantor Fahlenkamp wurde von dem ungarischen Kantor Laszlo Pasztor, der in der Tradition seines Lehrers Szigmond Tordai stand und viele Jahre als Kantor der Berliner Jüdischen Gemeinde tätig war, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre ausgebildet. Er amtiert in Berlin sowohl in Synagogen mit Orgeltradition als auch in orgelfreien Synagogen. Er betreibt mehrere Internet-Homepages zu jüdischen Themen, unter anderem die Seiten www.cantorfahlenkamp.com mit persönlichen Hinweisen zu Gottesdiensten und Konzertauftritten, www.cantorial-arts.com, mit Literaturhinweisen zu bedeutender jüdisch-liturgischer Musikliteratur, www.jüdisches-Lehrhaus.de, mit Texten zur Bibelauslegung und Halacha. Außerdem ist Kantor Fahlenkamp Herausgeber der seit 2008 in Berlin erscheinenden „Tefillotyaacov – Halbjahreshefte für jüdisch-liturgischen Gesang“, in denen er einerseits das historische deutsch-jüdische liturgische Material, andererseits die aktuellen synagogalen Bräuche behandelt und zahlreiche Notenbeispiele zu den Synagogalmelodien („nussachot“)liefert.
Isodoro Abramowicz
Isidoro Abramowicz wurde in Buenos Aires geboren und ist in einer aschkenasischen Familie aufgewachsen, mit Jiddisch – »der Sprache für Ironie, Geschäfte, Tragödien und Geheimnisse«, wie er sagt und dies als Teil seiner jüdischen Identität bezeichnet.
Kantor Abramowicz hat Musik und Pädagogik in Argentinien studiert und Oper und Chorleitung in Deutschland. Gleichzeitig arbeitete er für die Jüdische Gemeinde in Oldenburg als Chorleiter und Vorbeter. 2009 begann er mit einem Stipendium des Zentralrats der Juden und des Abraham Geiger Kollegs eine Kantorenausbildung in Berlin und ein Masterstudium »Jüdische Studien« an der Universität Potsdam.
In dieser Zeit gestaltete Isidoro Abramowicz bereits Konzertprogramme mit liturgischer und jiddischer Musik und sang in Gemeinden, Museen und Theatern, sowie mit verschiedenen Ensembles auch Tango, aus Liebe zu seinen Wurzeln. Für seine Masterarbeit »Das Frankfurter Kaddisch: Ein liturgisches Kalendarium« ging er zu Recherchen nach Israel. Nach seinem Abschluss arbeitete Abramowicz in verschiedenen Gemeinden, bevor er Kantor der Großen Synagoge in Stockholm wurde, und dort bis Februar 2019 tätig war. Im November 2017 übernahm Abramowicz auch die Leitung der Kantorenausbildung am Geiger Kolleg. Seit März 2019 ist Isidoro Abramowicz Kantor der Synagoge Pestalozzistraße.
Simon Zkorenblut
Kantor Simon Zkorenblut ist in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Er ist seit 1996 Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Seinen Dienst als Kantor übt er überwiegend in den Synagogen Fraenkelufer und Pestalozzistrasse aus.