19.06.2026 / 4. Tammuz 5786

Friedhöfe

Heerstraße 141
Herbert-Baum-Str. 45
Schönhauser Allee 22
Große Hamburger Str. 26

Friedhöfe

Jüdische Friedhöfe in Berlin

In Berlin gibt es noch 4 erhaltene jüdische Friedhöfe, wovon auf zwei von ihnen noch beigesetzt wird, auf dem jüdischen Friedhof Weißensee und dem Waldfriedhof Heerstraße. Die beiden anderen, der Friedhof Große Hamburger Straße und der Friedhof Schönhauser Allee, sind seit Ende des zweiten Weltkrieges geschlossen.

 

  • Friedhof Große Hamburger Straße

  • Friedhof Heerstraße

  • Friedhof Schönhauser Allee

  • Friedhof Weissensee

Friedhof Große Hamburger Straße

Friedhöfe

Der alte, von 1672 bis 1827 genutzte jüdische Friedhof war der Begräbnisplatz der 50 Familien von Wiener Schutzjuden, die 1671 nach Berlin kamen und vor dem Spandauer Tor angesiedelt wurden. Damals, 1671, konstituierte sich nach langer Unterbrechung erneut eine jüdische Gemeinde in Berlin. Bei seiner Schließung hatte der Friedhof 2767 Grabstätten, darunter die Gräber von so bedeutenden Persönlichkeiten des Berliner Judentums wie Moses Mendelssohn (1729-1786), Veitel Heine Ephraim (1703-1775), dem Münz- und Silberkaufmann Daniel Itzig (1725-1799) und seinem Sohn Isaac Daniel Itzig (1750-1806), dem Arzt und Philosophen Marcus Herz (1747-1803) oder Jacob Herz Beer (1769-1825), dem Vater von Giacomo Meyerbeer. 

Seit 1844 befand sich vor dem Friedhof das erste jüdische Altersheim, links daneben die Knabenvolksschule. Beide Gebäude wurden 1942 als »Judenlager« der Gestapo in ein Gefängnis mit Gittern und Scheinwerfern umgewandelt. 1943 verwüsteten SS-Leute, ebenfalls auf Befehl der Gestapo, den alten jüdischen Friedhof: Sie schändeten die ausgegrabenen Gebeine der Toten und hoben Splittergräben aus, die mit zertrümmerten Grabsteinen abgestützt wurden. Im April 1945 diente das Areal als Massengrab für gefallene Soldaten und im Bombenhagel getötete Zivilisten. In den siebziger Jahren beseitigte das Ost-Berliner Stadtgartenamt die übrig gebliebenen jüdischen Grabsteine und die für die Bombenopfer aufgestellten Holzkreuze. Zur Erinnerung an die tragischen Geschehnisse blieben ein symbolisches Grabmal für Moses Mendelssohn und ein Sarkophag aus zerstörten Grabsteinen. Vermutlich 3000 Kriegopfer – davon sind etwa 2000 namentlich bekannt – ruhen nun neben geschätzten 3000 hier bestatteten jüdischen Verstorbenen.

»Straße der Toleranz und des Todes« könnte die Große Hamburger Straße genannt werden. Einträchtig beieinander liegen hier die jüdischen Orte, das katholische St. Hedwigs-Hospital und der berühmte Friedhof der protestantischen Sophienkirche, wo die Karschin, Zelter und Ranke begraben sind. Wie durch ein Wunder blieb trotz der angeordneten Tilgung aller jüdischen Inschriften und Symbole über dem Portal des Hauses Große Hamburger Straße 27 die Inschrift »Knabenschule der Jüdischen Gemeinde« mit Skulpturenschmuck erhalten. Die Luftverschmutzung hat Tränenspuren über das Gesicht der Torbogenfigur gezogen. Die Schule wird seit August 1993 wieder von der jüdischen Gemeinde als ein allen offen stehendes jüdisches Gymnasium und als Realschule genutzt. Im Sommer 2000 haben dort die ersten Abiturienten die Hochschulreife erlangt. Ihr Vorläufer war die jüdische Freyschule, die auf Initiative von Moses Mendelssohn 1778 durch David Friedländer, Isaac Daniel Itzig und Hartwig Wessely, finanziell unterstützt von Daniel Itzig, ins Leben gerufen worden war und 48 Jahre lang bestanden hatte. Die Knabenschule hatte ihr Domizil zunächst in der Rosenstraße 12. 1863 zog sie in die Große Hamburger Straße um, wo 1905/06 nach Entwürfen des Gemeindebaumeisters Johann Hoeniger das noch jetzt existierende Schulgebäude errichtet wurde. 

Am 11. März 1942 ließ das Reichssicherheitshauptamt die Schule räumen, am 30. Juni desselben Jahres wurde sie endgültig geschlossen und gemeinsam mit dem benachbarten Altersheim von der Gestapo als Sammellager für die zur Deportation bestimmten Berliner Juden zweckentfremdet. Von hier aus wurden mehr als 55 000 Juden in die Vernichtungslager des Ostens deportiert. Anstelle einer 1909 von Ludwig Marcuse geschaffenen Büste Moses Mendelssohns, die im Vorgarten stand und 1941 von SA-Leuten zerstört worden ist, wurden 1983 an der Fassade auf Anregung des unvergessenen Berliner Feuilletonisten der einstigen Wochenpost, Heinz Knobloch, ein Porträtrelief von Moses Mendelssohn und eine Tafel mit dem Mendelssohn-Wort »Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun« angebracht, ausgeführt durch den Bildhauer Gerhard Thieme. 

Auf dem Nachbargrundstück hatte das jüdische Altersheim im Jahre 1844 – der alte Friedhof war bereits lange geschlossen – einen Neubau erhalten, der bis zur erzwungenen Schließung 1942 ein begehrter Wohnsitz vieler älterer Gemeindemitglieder war. Für diejenigen, die den Holocaust in Berlin überlebten, war die Große Hamburger Straße bis zur Wiedereröffnung der erwähnten jüdischen Schule im Jahre 1993 einzig Synonym für den Abtransport in den Tod. Das Gebäude des einstigen Altersheims wurde 1945 in den letzten Kriegstagen zerstört. Eine Gedenktafel erinnert an das Unfassbare. 1985 wurde eine eindrucksvolle Figurengruppe von Will Lammert aufgestellt, die ursprünglich (1957) für die Gedenkstätte Ravensbrück vorgesehen worden war.

 

Quelle: "Jüdische Orte in Berlin", Andreas Nachama/Ulrich Eckhardt copyright by Nicolai Verlag

Sommer
Mo – Do 7:30 – 17:00 Freitag 7:30 - 14:30 und So 8:00 – 17:00
Winter
Mo–Do 7:30 – 16:00 Freitag 7:30 - 14:30 So 8:00 – 16:00

service@jg-berlin.org

Große Hamburger Str. 26
10117 Berlin

Friedhof Heerstraße

Friedhöfe

Im Zuge des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts vollzog sich ab 1953 die Spaltung der Berliner jüdischen Gemeinde in einen östlichen und einen westlichen Teil. Deshalb erwarb die Westgemeinde 1955 ein 3,4 Hektar großes Waldstück am Scholzplatz, um es als Friedhof einzurichten. Seit 1956 sind hier um die 5000 Beisetzungen vorgenommen worden.

Die längst überfällige Erweiterung konnte erst im Jahre 2000 realisiert werden. Am Promenadenweg sind einige äußerst wertvolle mittelalterliche Grabsteine aufgestellt, die vom so genannten Juden-Kiewer, dem jüdischen Friedhof in Spandau stammen und bei Ausgrabungen und Ausschachtungen gefunden wurden. Ein Gedenkstein erinnert an die Ermordeten der Shoa. »Denen, die unter der Herrschaft des Unmenschen ihr Leben lassen mussten zum ewigen Gedächtnis 1933-1945.« Am 30. September 1984 wurde vor diesem Mahnmal ein Behältnis mit Asche aus dem Vernichtungslager Auschwitz bestattet.

 

Gräber einiger bekannter Persönlichkeiten:

  • Ernst Deutsch (1890- 1969), einer der bedeutendsten deutschen Schauspieler bei Max Reinhardt
  • Hans Rosenthal (1925-1987), bekannt durch seine Tätigkeit im Fernsehen und beim RIAS, der die Nazizeit in einem Versteck überlebt hatte
  • Jannette Wolff, geborene Cohen (1888-1976), Politikerin, Stadtälteste, Stadtverordnete und Bundestagsabgeordnete
  • der ZDF-Moderator Gerhard Loewenthal und Estrongo Nachama, der weithin bekannte Oberkantor der Jüdischen Gemeinde, der von 1947 bis zu seinem Tode im Januar 2000 amtiert
  • eine würdige, angemessen edle und vornehme Grabstätte fand auch Heinz Galinski, geboren am 28. November 1912, gestorben am 19. Juli 1992, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von 1949 bis 1992 und Ehrenbürger von Berlin, dessen engagiertem und energischem Wirken der Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde in Berlin zu verdanken ist. Am 19. Dezember 1998 wurde sein Grab durch die Detonation eines Sprengstoffanschlages schwer beschädigt. Die Täter wurden nie ermittelt. Auf dem Grabstein steht: »Er widmete sein Leben in Treue dem Dienst der Gemeinschaft«, ein aufgeschlagenes Buch symbolisiert sein Wirken.
 

Quelle: "Jüdische Orte in Berlin", Andreas Nachama/Ulrich Eckhardt copyright by Nicolai Verlag

Sommer
(01.Apr – 30.Sep) Mo–Do 7:30 – 17:00 Freitag 7:30 - 14:30 So 8:00 – 17:00
Winter
(01.Nov – 31.Mar) Mo–Do 7:30 – 16:00 Fr 7:30 - 14:30 So 8:00 – 16:00

service@jg-berlin.org

Heerstr. 141
14055 Berlin

Friedhof Schönhauser Allee

Friedhöfe

Vom Senefelderplatz aus gabeln sich zwei Ausfallstraßen. Die Bebauungspläne ließen wie so oft in der Stadt eine dreieckige Restfläche zurück. Hier beginnt ein magischer Bezirk, in dessen Innern eine aufgelassene, verlorene Straße verläuft, öffentliches Straßenland nach dem Kataster, entlang der Friedhofsmauer des 1827 angelegten jüdischen »Orts der ewigen Ruhe«, versteckt hinter den Gartenhäusern der gründerzeitlichen Mietshäuser in der Kollwitzstraße. 

Zwei offene Davidsterne an einem hohen dunklen Tor am Kollwitzplatz gestatten einen Durchblick in den »Judengang« (auch »Communikation« genannt), 7,50 Meter breit, 400 Meter lang, der sich, vormals von einer zweiten parallelen Mauer begrenzt, entlang der Friedhofsmauer erstreckt. Der geheimnisumwobene Totenpfad entstand ebenfalls um 1827 als östlicher Hintereingang – der Legende nach auf Anordnung des Preußenkönigs, der auf dem Weg vom Stadtschloss nach Pankow und zum Schloss Niederschönhausen nicht von den armseligen Trauerzügen der notleidenden Ostjuden aus dem Scheunenviertel belästigt werden wollte. Denn derart prächtige Kondukte wie den für Giacomo Meyerbeer im Mai 1864 gab es eher selten. Meist boten die jüdischen Leichenzüge, die vom Schönhauser Tor heraufkamen und denen die armen Schlucker und Schnorrer von der Schendelgasse, Hirten-, Dragoner- und Grenadierstraße in großer Zahl folgten, einen rechtschaffen traurigen Anblick.

Seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Teile des Begräbnisweges als Hausgärten der Anlieger parzelliert und in girlandenumsäumte, lampionbestückte Feierabendidyllen mit ausrangiertem Mobiliar zur friedlichen Nutzung an lauen Berliner Sommerabenden umfunktioniert; der Rest verwahrloste. In jüngster Zeit ist der Weg wiederhergestellt worden; das Tor, das auch früher nur für Beerdigungen geöffnet wurde, bleibt jedoch auch weiterhin verschlossen. »Haus des Lebens« nennen Juden ihre Friedhöfe mit der immerwährenden Grabruhe. Ein jüdischer Friedhof darf niemals aufgelöst oder aufgegeben werden. Die Totenruhe ist im jüdischen Glauben ewig. Das macht Grabschändungen so besonders verwerflich. Das magische Dreieck zwischen Schönhauser Allee, Kollwitz- und Knaackstraße birgt unter Efeu, Ahorn, Linden und Kastanien nahezu 25 000 Gräber, hell im Winter, dunkel im Sommer, ein lebendiges Geschichtsbuch über jüdisches Leben und Berliner Kultur, veranschaulicht in erhabenen, kostbaren Grabmälern. Und wieder ein Dreieck bilden die unter Blattwerk hügelig verschwundenen Gräber der Namenlosen aus dem Scheunenviertel. Am Ort des Friedhofs befanden sich früher eine Brauerei und Meierei, noch heute finden sich die Reste von Zisternen auf dem Gelände. In einer der Zisternen, so wird überliefert, versteckten sich junge Deserteure in den letzten Kriegswochen des Jahres 1945; von der Gestapo entdeckt, wurden sie an den Friedhofsbäumen erhängt. (»Den Tod anderer nicht zu wollen, das war ihr Tod«, ist auf einer Gedenktafel zu lesen.) Die letzten hier Begrabenen sind Vera Frankenberg, ein 1945 auf dem Friedhof von einer Granate tödlich getroffenes junges Mädchen, und Martha Liebermann, die Frau des Malers Max Liebermann. In Erwartung der Deportation gab sie sich 1943 den Tod. Erst 1960 wurde sie von Weißensee neben ihren 1935 verstorbenen Mann hierher umgebettet. 

Nachdem der erste und älteste jüdische Friedhof in der Großen Hamburger Straße 1827 geschlossen worden war, erwarb die Jüdische Gemeinde das Gebäude und richtete hier an der damaligen Pankower Chaussee ihren zweiten Begräbnisplatz ein. Links vom Haupteingang befanden sich die Trauerfeierhalle sowie die für den Friedhofsbetrieb notwendigen Zweckbauten. Anstelle der zerstörten Gebäude steht heute ein 1961 nach einem Entwurf von Ferdinand Friedrich aus Sandsteinquadern errichteter Gedenkstein: »Hier stehst du schweigend, doch wenn du Dich wendest, schweige nicht!« Derzeit wird ein neuer Friedhofseingang gebaut. Obwohl Bildnisse auf jüdischen Gräbern unüblich und unerwünscht sind, findet man doch drei Porträts: der 1876 jung verstorbenen Sophie Loewe, deren Grabmal als Pyramide ausgebildet ist, des 1895 verunglückten Paul Model sowie des 1910 verstorbenen Berthold Kempinski. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Grabmal für den achtzehnjährigen Alexander Goldmann und den einundzwanzigjährigen Simon Barthold, die nach dem 22. März 1848 ihren Verletzungen erlagen. Die Jüdische Gemeinde gedachte hier 1998 anlässlich des 150. Jahrestages der Märzrevolution ihrer Opfer. Die anderen jüdischen März-Gefallenen wurden im Friedrichshain bestattet. Das Denkmal für die gefallenen jüdischen Soldaten der Kriege 1866 und 1870/71 ist als Obelisk mit aufgesetzter Kugel gestaltet. Lang ist die Liste bedeutender Wissenschaftler, Unternehmer, Schriftsteller, Gelehrter und Künstler, die auf diesem Friedhof beerdigt sind.

Gräber einiger bekannter Persönlichkeiten:

  • Jakob Liepmann Meyer Beer, der sich ab 1822 den Künstlernamen Giacomo Meyerbeer gab, der Schöpfer der Opern Die Hugenotten und Die Afrikanerin. 1791 in Berlin geboren, verstarb er 1864 in Paris, wurde aber seinem letzten Willen entsprechend von dort aus in seine Heimatstadt überführt und in der 1850 angelegten Grabstätte der Familie Beer beigesetzt.
  • Wohl am häufigsten aufgesucht wird das Grab Max Liebermanns. Als der langjährige Präsident der Akademie der Künste und Ehrenbürger Berlins am 11. Februar 1935 beigesetzt wurde, standen die Zeichen für die Juden in Berlin schon auf Sturm und Verfolgung. Nur 38 Trauergäste trugen sich in die Kondolenzlisten ein.
    Staatliche Vertreter und Funktionäre der gleichgeschalteten Künstlervereinigungenn erschienen nicht zu seiner Beisetzung.
  • In den insgesamt 22 500 Einzelgräbern und 750 Familiengrüften fanden so viele bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe, dass es unmöglich wäre, sie alle aufzuzählen. Die Verleger Leopold Ullstein und Albert Mosse sind hier ebenso beigesetzt wie James Henry Simon, der Kunstsammler und Mäzen, Joseph Mendelssohn, der Bankier, Ludwig Loewe und Georg Haberland, die Unternehmer, David Friedländer, der Vorkämpfer der Juden-Emanzipation und erster jüdischer Stadtrat, Bernhard (Benda) Wolff, im Jahre 1849 Gründer der ersten deutschen Nachrichtenagentur (»Wolffs Telegraphen-Bureau«) – und schließlich Gerson von Bleichröder, der als Bankier der preußischen Krone und Finanzberater des Reichskanzlers zu den wichtigsten Finanziers der Bismarck’schen Politik gehörte.

Der Friedhof wurde 1880 offiziell zugunsten des Friedhofs Weißensee geschlossen; gleichwohl fanden bis 1942 und auch nach 1945 Beisetzungen in vorhandenen Familiengräbern statt. In der Nazizeit wurde er nicht gezielt zerstört, aber durch Kriegseinwirkungen teilweise beschädigt. Viele bedeutende Persönlichkeiten des Berliner Judentums sind überdies auf protestantischen Kirchhöfen bestattet.

 

Quelle: "Jüdische Orte in Berlin", Andreas Nachama/Ulrich Eckhardt copyright by Nicolai Verlag

Sommer
Mo - Do 8:00 - 16:00 Fr 7:30 - 13:00
Winter
Mo - Do 8:00 - 16:00 Fr 7:30 - 13:00

service@jg-berlin.org

Schönhauser Allee 22
10435 Berlin

Friedhof Weissensee

Friedhöfe

Am 9. September 1880 wurde der 42 Hektar umfassende Friedhof der Jüdischen Gemeinde mit repräsentativen Gebäuden und architektonisch bemerkenswerter Trauerhalle eingeweiht. Mit über 115 000 Grabstellen ist es der größte jüdische Friedhof Europas und ein herausragendes kulturhistorisches Denkmal. Das vollständig erhaltene Totenregister ist ein einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte. 

Martin Riesenburger, später Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Ost- Berlin, der auf dem Friedhofsgelände mit seiner Frau die Shoa überlebte, hielt hier noch 1943 und 1944 gelegentlich Gottesdienste ab und bestattete die in Berlin verstorbenen Menschen jüdischer Herkunft. Ihm war es gelungen, eine große Zahl von Thorarollen und silbernem Synagogenschmuck zu retten und auf dem Friedhof zu verbergen. Bereits am 11. Mai 1945 führte er hier seinen ersten Gottesdienst nach der Befreiung durch. Auch andere jüdische Verfolgte nutzten das unübersichtliche Friedhofsgelände und versteckten sich beispielsweise in der Gruft des Kammersängers Schwarz.

Aus einem Bericht von Christoph Hein über die Familiengruft wissen wir von makabren Quälereien durch Gestapoleute, als diese das Versteck entdeckten. Auf dem Friedhof ist auch ein Ehrenfeld mit einem von Alexander Beer gestalteten monumentalen Gedenkaltar sowie den sterblichen Überresten der 12 000 jüdischen Deutschen, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, an dem insgesamt 100 000 jüdische Soldaten teilnahmen – prozentual stark überrepräsentiert, viele von ihnen freiwillig. Das 1927 eingeweihte Denkmal wurde vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten initiiert. Auch die Grabsteine des 1961 aufgelassenen Köpenicker Judenfriedhofs wurden hierher überführt. 

Auf dem Gelände befindet sich überdies das Grabmal für Herbert Baum, der wie kein zweiter den jüdischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten verkörpert: vom Verfassen politischer Schriften gegen den Krieg über den Kampf gegen die Akkordnormen für jüdische Zwangsarbeiter bei Siemens bis zum Brandanschlag auf die Propagandaausstellung »Das Sowjetparadies« am 18. Mai 1942. Er wurde ebenso wie die meisten Mitglieder seiner Widerstandsgruppe verhaftet, verurteilt und hingerichtet. 

Im Eingangsbereich schließlich steht eine Gedenkanlage für die Opfer der Shoa. Sie erinnert an die Ermordeten in den Vernichtungslagern, die kein Grab fanden, weil ihre Asche verstreut wurde. Schon im September 1945 war hier eine erste Gedenktafel errichtet worden. Am 27. Januar 1992, dem 47. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wurde in Gegenwart von Überlebenden des Konzentrationslagers, unter ihnen Heinz Galinski, 43 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, und Oberkantor Estrongo Nachama, seit 1947 Vorbeter der Gemeinde, im Gedenken an die Ermordeten eine Urne mit Asche aus Auschwitz aufgestellt. Hier beigesetzt sind auch etwa 300 Urnen, die die Verwandten der Ermordeten aus den Vernichtungslagern erhielten – per Nachnahme. Der am 16. Dezember 2001 in Israel verstorbene Dichter Stefan Heym wurde hier fünf Tage später bestattet. Als Abgeordneter und Alterspräsident hatte er im November 1994 in seiner Rede zur Bundestagseröffnung im Reichstag gesagt: »Die Menschen erwarten, dass wir uns als Wichtigstes mit der Herstellung akzeptabler sozial gerechter ... Verhältnisse beschäftigen ... eine Koalition der Vernunft, die eine Koalition der Vernünftigen voraussetzt«.

Spendenkonto
Bankinstitut: Bank für Sozialwirtschaft
Kontonummer: 314 24 11
BLZ: 100 205 00

Gräber einiger bekannter Persönlichkeiten:

  • Hermann Cohen, Gelehrter
  • Louis Lewandowski, Komponist
  • Lesser Ury, Maler
  • Adolf Jandorf, KaDeWe-Gründer
  • Samuel Fischer, Verleger
  • Berthold Kempinski, Gastronom

Quelle: "Jüdische Orte in Berlin", Andreas Nachama/Ulrich Eckhardt copyright by Nicolai Verlag

Sommer
Mo – Do 7:30 – 17:00 Fr 7:30 – 14:30 So 8:00 – 17:00
Winter
Mo – Do 7:30 – 16:00 Fr 7:30 _ 14:30 So 8:00 – 16:00

Bürozeiten
Mo – Do 7:30 – 16:00
Fr 7:30 – 13:00

Herbert-Baum-Str. 45
13088 Berlin