13.07.2026 / 28. Tammuz 5786
01.05.2021

Ver-Querdenkende Antisemiten

01.05.2021

Jeden Tag: Drei antisemitische Übergriffe in Berlin. Dieses Fazit bleibt nach der Präsentation der Antisemitischen Vorfälle in Berlin 2020 durch RIAS Berlin am 19. April.

Die Expert*innen stellten für das vergangene Jahr eine Zunahme von mehr als 13% auf 1.004 antisemitische Vorfälle fest – obwohl 2020 der große Antisemitismus-Spreader-Event »Al Quds-Marsch« abgesagt worden war.  Das ist die gelebte Realität von Jüdinnen und Juden in dieser Stadt.
Woher die Zunahme? 
Antisemitismus ist ein Chamäleon und passt sich sehr schnell gesellschaftlichen Erfordernissen an. Der Vergleich der Zahlen von RIAS Berlin 2018 und 2020 untermauern diese Erkenntnis: Während 2018 der israelbezogene Antisemitismus vorherrschend war, wurden 2020 Verschwörungsideologien prägender. Was nicht heißen will, dass Ersterer verschwunden wäre. 
Festzuhalten ist, dass im Zuge der Corona-Krise Shoa-Relativierung, Täter-Opfer-Umkehr und die Verbreitung antisemitischer Mythen massiv zugenommen haben.
Verschwörungslegenden und das Narrativ der jüdischen Weltverschwörung gehören zum ideologischen Kern eines nicht unerheblichen Teils der »Querdenker«. 
Diese bezogen sich mehr als einmal auf die sogenannten »Protokolle der Weisen von Zion«, ein auf Fälschungen beruhendes antisemitisches Pamphlet, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt wurde und das vom NS-Ideologen Alfred Rosenberg und anderen Nazi-Größen zur Pseudo-Rechtfertigung der Schoa herangezogen wurde und bis heute große Wirkkraft hat, zum Beispiel bei Rechtsextremisten oder Islamisten wie den Muslimbruderschaften. 
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass, sobald die Gesellschaft mit einer Krise konfrontiert wird, wenn bisherige Sicherheiten in Frage gestellt werden die Mythen Konjunktur haben, die einfache »Erklärungen« anbieten, die die Welt in schwarz und weiß, in gut und böse unterteilen. Einfache Wahrheiten, klare Feindbilder, in unsicheren Zeiten mag das für viele reizvoll sein, um Sündenböcke stigmatisieren zu können, es hat aber mit der Realität nichts zu tun.
Erst in jüngster Vergangenheit haben Sicherheitsbehörden, wie der Berliner Verfassungsschutz damit begonnen, die »Querdenker« verstärkt zu beobachten und sehen ihr demokratiegefährdendes Potential. Es wird Zeit, mit den Mitteln des Rechtsstaates gegen sie vorzugehen. 
Sigmount Königsberg

Der Bericht von RIAS ist abrufbar unter:
report-antisemitism.de/documents/Antisemitische-Vorfaelle-2020_Jahresbericht_RIAS-Berlin.pdf

Mehr lesen

10.07.2026 News

EUPJ bestätigt Zentrales Liberales Bet Din Deutschland als einzig anerkanntes liberales Rabbinatsgericht
Die European Union for Progressive Judaism (EUPJ) hat das von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der Union progressiver Juden in Deutschland gegründete Zentrale Liberale Bet Din Deutschland mit Wirkung zum 1. Juni 2026 als anerkanntes Rabbinatsgericht aufgenommen.

08.07.2026 Beiträge

40 Jahre HGS: Eine bemerkenswerte Entwicklung
Mit Stolz feiert die Jüdische Gemeinde zu Berlin am 5. Juli das 40-jährige Bestehen der Heinz-Galinski-Grundschule. Was heute als lebendiger und selbstverständlicher Bestandteil des jüdischen Lebens in Berlin gilt, begann in den 1980er-Jahren unter schwierigen Voraussetzungen. Vor dem Hintergrund eines innergemeindlichen Wandels entstand bereits 1983 die Idee, eine jüdische Grundschule zu gründen.

02.07.2026 Beiträge

Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom
Lesung des deut. Texts: Naomi Krauss Donnerstag, 9. Juli 2026 | 19:00 Uhr Ort: Neue Synagoge Berlin Oranienburger Straße 28–30, 10117 Berlin