29.09.2026 / 19. Tishri 5787
01.04.2018

Gut gemeint – gut gemacht?

01.04.2018

Bis zum 30.4.2019 zeigt das Jüdische Museum Berlin seine Ausstellung »Welcome to Jerusalem«. Sie thematisiert, so das Museum, »eine Stadtgeschichte, in der Alltag, Religion und Politik unauflöslich miteinander verflochten sind«. Der Ansatz, jüdische, christliche und muslimische Perspektiven und unterschiedliche Narrative zu Wort kommen zu lassen, ist legitim und zu begrüßen. Nur ist sehr zu bedauern, dass durch systematisches Weglassen das Bild verzerrt wird.
Ein Beispiel: In einer Animation wird die Entwicklung Jerusalems dargestellt. Sie beginnt mit der Zeitenwende (Römische Besatzung). Alles davor – David, Salomo, Erster Tempel, Königreich Judäa, Zweiter Tempel, Hasmonäer – fehlt. Und am Ende der Animation – Jerusalem war geteilt – wird nicht berichtet, dass Juden und Israelis der Zugang zur Klagemauer von den Jordanier verwehrt war. Hingegen heißt es, Israel schneide durch einen Ring von neuen Stadtteilen die palästinensische Bevölkerung von ihrem Umland ab.
Andernorts ist vom »biblischen Palästina« die Rede (der Begriff Palästina wurde erst von den Römern im 2. Jahrhundert eingeführt). Richtig wäre »Judäa« gewesen – wie es beispielsweise auf der römischen Münze »Judaea Capta« heißt. Warum werden hier mit dieser Wortwahl jüdische Bezüge zu Jerusalem verschwiegen?
Arabische/palästinensische Gewalt wird grundsätzlich als Reaktion der »frustrierten« Bevölkerung auf die zionistische Einwanderung oder israelische Besatzung dargestellt. Massaker, wie das von 1920 in Jerusalem, werden beschönigend als Protest dargestellt. Der Pakt des Muftis von Jerusalem mit den Nazis ist keine Silbe wert. Hingegen wird eingehend auf den Anschlag der Irgun auf das britische Hauptquartier 1947 im King-David-Hotel eingegangen und ohne zu erwähnen, dass die Briten gewarnt wurden. 
Anderes Beispiel: In einem 360°-Video wird der israelisch-palästinensische Konflikt dargestellt. Es endet mit einer Umkreisung des Zuschauers durch den Sicherheitszaun, so dass dieser sich eingesperrt fühlt. Dass es dieser Zaun war, der den Bombenterror der zweiten Intifada beendete, wird nicht gesagt, genauso wenig, wie arabische Stimmen zu hören sind, die sich kritisch zur ihrer eigenen Führerschaft äußern.
Zusammenfassend: während arabische Positionen durchweg einen verständnisvollen Unterton haben, ist dies bei jüdischen/israelischen Positionen nicht der Fall, ausgenommen solcher, die sich kritisch mit der israelischen Regierungspolitik auseinandersetzen. Platz dafür wäre allemal gewesen.

Sigmount Königsberg

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