29.09.2026 / 19. Tishri 5787
01.12.2018

80. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938

01.12.2018

Gemeinsame Gedenkstunde im Berliner Abgeordnetenhaus

Anlässlich des 80. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 lud der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister, Michael Müller, und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Gideon Joffe, am 8. November zu einer Gedenkstunde in den Plenarsaal des Abgeordnetenhauses. Neben den Ansprachen der drei Gastgeber sorgten das Kammerorchester des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn und weitere Schülerinnen und Schüler mit einer szenischen Lesung für die kulturelle Umrahmung des Programms.

Der Gemeindevorsitzende Dr. Joffe bemängelte in seiner Rede vor den 400 geladenen Gästen eine abnehmende Sympathie für die Demokratie in Deutschland und rief dazu auf, in Schulen und der Öffentlichkeit die Vorzüge der Demokratie und der grundlegenden Menschenrechte herauszustellen. Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit sowie Bürgerrechte würden hier noch zu wenig im öffentlichen Diskurs thematisiert und gewürdigt. Denn mit einer starken Demokratie in Deutschland würden auch die Opfer des 9. November geehrt. 
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Parlamentspräsident Ralf Wieland warnten in ihren Ansprachen vor dem wachsenden Judenhass in Deutschland. Gleichzeitig forderten sie ein konsequentes Eintreten aller gesellschaftlichen Kräfte für Demokratie und gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Im Anschluss an die Gedenkstunde fand eine öffentliche Kranzniederlegung auf dem Gelände der »Topographie des Terrors« statt. Viele der Anwesenden schlossen sich danach dem von den Kirchen organisierten »Gedenkweg 2018« an, der unter dem Motto »Erinnern. Gedenken. Mitgehen – 80 Jahre Pogromnacht« von der Topographie des Terrors zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas führte. Dort wurden bereits seit 10 Uhr die Namen der 55.696 ermordeten Berliner Jüdinnen und Juden aus dem Gedenkbuch des Landes Berlin gelesen. Die vom Jugendzentrum »Olam« betreute Namenslesung unter dem Motto »Jeder Mensch hat einen Namen« fand unter großer Beteiligung der Berliner Bürgerinnen und Bürger bis in die späten Abendstunden statt.

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